Nintendo und die amiibos

Die Idee

Eigentlich sollten die kleinen Figürchen, die auf einem kleinen, runden Plateau, mit eingebautem NFC Chip stehen oder sitzen, den Spielesektor von Nintendo’s Hausmarke-Games ankurbeln, denn die Erfahrung zeigte, dass dieses Spielekonzept bereits bei Skylanders und Disney Infinity ein voller Erfolg war.

Bereits erschienene Spieletitel, mit eigener amiibo Reihe

Bereits erschienene Spieletitel, mit eigener amiibo Reihe

Nintendo’s aktuelle Flaggschiffe, die WiiU und die New 3DS Serie, bei bei den Handhelds, verfügen bereits über NFC Technologie – die Vorgänger Handheld Konsolen können über eine Nachrüsthardware ebenfalls dazu in die Lage versetzt werden, amiibos zu nutzen. Der nächste Schritt war nun, entsprechende Funktionen in aktuelle Spieletitel unterzubringen und natürlich entsprechende Figuren zu veröffentlichen.

Im Dezember 2014, pünktlich zum Weihnachtsgeschäft wurde das neue Spiel Super Smash Bros. veröffentlicht – gleich dazu kamen etliche amiibo Figuren mit der Vorankündigung, es würden noch weitere Figuren in verschiedenen Wellen veröffentlicht.
Es folgten eine Reihe an klassischen Nintendo Spieletiteln, die allesamt amiibo Support boten.

Chibi Robo hatte sein Debut auf dem Gamecube

Chibi Robo hatte sein Debut auf dem Gamecube

Nintendo’s Fehleinschätzung

Während sämtliche Verantwortlichen bei Nintendo dem Release entgegen fieberten und hofften, dass dieses neue und mit hohen Investitionen einhergehende Konzept von Erfolg gekrönt ist, fieberten Nintendo Fans im stillen bereits ebenfalls dem Release entgegen.
Auffällig war bereits zu diesem Zeitpunkt, dass große Online Kaufhäuser, wie amazon, einige Figuren bereits im Vorfeld nicht mehr als lieferbar deklarierten, obwohl der Release noch gar nicht gestartet war. Wie sich nachher herausstellen sollte, waren besagte Figuren bereits über die Vorbestellung hinaus ausverkauft. Etwas, das bei Online Kaufhäusern, wie amazon in der Vergangenheit eher selten vor kam.

Doch der richtige Hype sollte erst noch beginnen. Nintendo gab nun bekannt, wann die nächsten Veröffentlichungswellen starten und welche Spiele noch mit welchen Figuren kompatibel sind und sein werden. Man kündigte sogar zusätzlich an, dass es auch einige eigenständige, ausgekoppelte Figurenserien, speziell für bestimmte Spiele geben würde.

Nachdem nun Fans enttäuscht feststellen, dass sie über den normalen Handel so gut wie gar nicht mehr an die Figuren ran kamen – manche Figuren es nicht mal bis in den Einzelhandel schafften, wurden sämtliche Online Optionen abgegrast. Der noch so kleinste Internet Shop, der die Figuren anbot wurde und wird aktuell noch immer mit Vorbestellungen überschüttet.

Mittlerweile tauchen erste amiibo Figuren noch am offiziellen Erscheinungstag zu Spitzenpreisen bei eBay & Co. auf. Findige Händler und vor allem zweifelhafte Privatverkäufer, die hier ihre Chance auf schnelles Geld wittern und unter teils rechtlich halsbrecherischen Aktionen versuchen dickes Geld zu machen. Das schlimme: die Summen werden gezahlt!!!

(Wir raten übrigens dringend davon ab und warnen ausdrücklich jede Privatperson davor, sich dieser agressiven Verkaufsstrategie auf einschlägigen Verkaufsplattformen anzuschließen. Wer wissentlich mit Neuware zu Höchstpreisen und noch dazu in hohen Stückzahlen handelt, riskiert im harmlosesten Fall seinen Account, im schlimmsten Fall wird er abgemahnt und z.B. der Steuerhinterziehung bezichtigt und schlussendlich rechtlich verfolgt, denn dieses schnell verdiente Geld ist illegal verdientes Geld. Der Verkauf von Neuware in großen Stückzahlen, mit Umsätzen/Gewinnen, die dreimal so hoch, wie der Einkaufspreis sind, entspricht dem gewerblichen Handel! In diesem Fall sind Steuern zu entrichten und etliche andere gewerbliche Regeln einzuhalten. Außerdem stellt diese Art des Verkaufs gegenüber rechtmäßig agierenden, gewerblichen Händlern unlauteren Wettbewerb dar. Abmahnungen und Klagen werden hier längerfristig die Folge sein und auch Nintendo selbst wird über kurz oder lang handeln müssen, denn darunter leidet schlussendlich auch deren Ruf.)

Nintendo hatte mit einer so hohen Nachfrage schlicht weg nicht gerechnet und einige Figuren von vornherein nur in sehr geringen Stückzahlen produzieren lassen, wohl wissend, dass manche Figuren nicht mehr nachproduziert werden. Es sind regelrechte Panikkäufe zu beobachten gewesen, nichtg zuletzt, da Nintendo selbst sogar offiziell bekannt gab, einige Figuren definitiv nicht mehr nachzuproduzieren (Wie sich derweil herausstellte, wurden bis dato ALLE Figuren mindestens einmal nachproduziert!).

Derweil gehen wir auf die 100 Figuren zu, die bereits erschienen sind – ein Ende ist noch nicht in Sicht. Aktuell kündigt Nintendo immer neue Figuren an, lässt die Fans jedoch weiter im unklaren, ob bestimmte Figuren noch einmal neu aufgelegt werden, stattdessen landen die ersten unbeliebteren amiibos auf Wühltischen zu Schnäppchenpreisen.

Mittlerweile scheint Nintendo jedoch seine Lieferengpässe in den Griff bekommen zu haben. Vorbesteller Artikel aus dem amiibo Sortiment sind nicht mehr sofort ausverkauft und die Artikel schaffen auch wieder den Sprung in den Einzelhandel. Zumindest bei großen Multimedia-Ketten findet man die Figuren in ausreichender Stückzahl.

Die amiibo-Sammel-Vitrinen im Museumsprojekt

Die amiibo-Sammel-Vitrinen im Museumsprojekt

amiibo Spielewut?

Wer nun denkt, sämtliche Figuren werden von den Fans angeschafft, um diese ihrer Bestimmung zuzuführen, der hat sich geschnitten – ebenso wie Nintendo. Weit mehr als 3/4 aller Figuren fristen Ihr Dasein von nun an in Vitrinen, denn womit Nintendo wohl nicht wirklich rechnete, dass eingefleischte Nintendo Anhänger hier eher Sammelpotenzial, denn Spielewut sahen.

Die kleinen Figuren sind sehr filigran und sauber gearbeitet und stellen für viele Fans ein kleines Kunstwerk dar. Niemals zuvor gab es für Konsolenfans die Möglichkeit, seine Lieblingscharaktere zu einem relativ kleinen Preis zu sammeln. In der Regel sind Sammelfiguren von Spielecharakteren in limitierten Sonderauflagen und meist nur in Amerika oder Japan aus Resin erschienen – völlig unabhängig von Spielen. Diese Figuren wurden und werden teils im dreistelligen EUR Bereich gehandelt.

Online Händler rüsteten auf

Einen angenehmen Nebeneffekt hatte der unwahrscheinliche Hype. Sämtliche großen Online Händler mussten ihre Shop Software aktualisieren oder sogar komplett austauschen, denn die Aktualisierung der Vorbesteller-Bestände war teils so langsam, dass innerhalb von Minuten Bestände verkauft wurden, die niemals existiert hatten. Zahlreiche Online Vorbestellungen, die in der Anfangszeit seitens der Händler wegen „Nicht Lieferbarkeit“ stornieren mussten.

Auch wurde zum Wohle des normalen Kunden eine gerechtere Mengenabgabe eingeführt. So war und ist es teils jetzt noch nicht möglich, mehr, wie eine amiibo Figur auf einmal zu bestellen. Damit wurden zumindest die wilden Wucherverkäufe privater Anbieter auf einschlägigen Autkionsplattformen etwas eingedämmt.

Es bleibt abzuwarten, wie lange Nintendo noch am Erfolgskonzept amiibo festhält – aktuelle Verkaufszahlen, von weit über 20 Mio. (Stand Sommer 2015) Stück lassen vermuten, dass Nintendo dies noch eine Weile auskosten wird und bereits jetzt, im Herbst 2016 werden noch immer weitere amiibos, mit Veröffentlichungsterminen, weit im Jahr 2017 angekündigt.

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