Seite drucken

Gesockelte IC’s

Das gesockelte IC

Für die Nicht-Elektroniker unter Ihnen, wollen wir zu Anfang kurz die Sinnhaftigkeit eines gesockelten IC’s erläutern.

Wie Sie sicherlich schon mal gesehen haben, sind elektronische Bauteile in der Regel auf einer Platine fest verlötet und können dank heutiger SMD Technik zum Teil nur noch schwer entfernt werden. Zu Zeiten des C64 und Amiga war die Elektronik oft aber noch sehr empfindlich und viele von Commodore selbst produzierte bzw. entwickelte IC’s (auch Custom Chips genannt), waren sowohl elektronisch, als auch thermisch sehr empfindlich. In vielen Geräten starb so manches IC schnell einen Hitze Tod, da die entsprechenden Bauteile nur unzureichend oder auch gar nicht vor Überhitzung geschützt waren.

Darüber hinaus gab es von vielen Custom IC’s immer mal wieder Upgrades, wo Bugs (Fehler) beseitigt wurden oder Neuerungen implementiert wurden. Wo heute Firmware Updates stattfinden, wurde damals das komplette IC getauscht. Und um ein schnelleres austauschen dieser IC’s zu ermöglichen, hat man diese IC’s größtenteils gesockelt.

Sockelverbindungen und ihre Probleme

So angenehm diese Verbindungsmöglichkeit bei der Fehlersuche auch ist, so nachteilig kann sie sich nach über 20 Jahren auswirken. Viele der gesockelten IC’s verlieren im Laufe der Jahre durch Erschütterungen bei Transport etc. ihren Halt und rutschen teilweise nur Millimeter aus den Sockeln und verlieren damit ihren Kontakt. Oft ist dies nicht weiter tragisch, es kann IC’s, die elektronisch sehr empfindlich sind, aber auch dauerhaft zerstören, wenn wichtige Kontakte ihre Verbindung verlieren oder sogar Kurzschlüsse auftauchen.

Auch mehrmaliges entfernen und wieder einsetzen von IC’s leiert die oftmals primitiven Kontakte aus und sorgt dafür, dass IC’s entweder sofort wieder von allein heraus springen oder fallen, oder die im Sockel befindlichen Kontakte oder die des jeweiligen IC’s beschädigen.

Die Sockel selbst sind meistens minderwertiger Qualität und reagieren sehr empfindlich auf äußere Einwirkungen, wie feuchte Luft etc. Sie beginnen sich aufzulösen, zu korrodieren. Oft sieht man dies nicht einmal und kann dies nur mühevoll mit einem Durchgangsprüfer testen und selbst dann können sich noch Haarrisse im Material befinden. Oftmals müssen daher heute viele Sockel komplett erneuert werden, damit wieder optimale Kontaktverbindungen herrschen.

Betroffene Geräte der Commodore Familie

Eigentlich gibt es keine Commodore Geräte, die hiervon nicht betroffen sind. Nicht betroffen, oder selten betroffen sind eigentlich nur die Amiga Geräte 600 und 1200, da sie größtenteils bereits auf SMD Technik basieren und auch die Custom Chips verlötet wurden. Lediglich die Kickstart IC’s wurden gesockelt.

Am gravierendsten machen sich die Fehler in den Amiga Geräten 500+, 2000 bemerkbar, denn dort kommt das Akku Problem erschwerend hinzu (siehe Bericht über Akku Probleme). Hier ist eine Fehlersuche sehr müßig, da gleich mehrere, wenn nicht sogar alle IC Sockel defekt sein können.

Einfache Fehlerbehebung

Haben Sie gerade ein Gerät erworben bzw. eines wieder hervorgeholt, wo Sie fast 100 Prozent sicher sind, dass das Gerät funktionierte, öffnen Sie es und schauen einmal nach, wie das Innere des Geräts aussieht. Können Sie auf anhieb keine Fehler erkennen (ausgelaufener Akku, verbrannte Bauteile oder andere merkwürdig aussehende Phänomene), drücken Sie einmal mit etwas Druck alle gesockelten IC’s fest auf die Sockel. Meist ist ein leichtes knarzen zu vernehmen, dass einem andeutet, dass das jeweilige IC potenziell ein solcher Kandidat ist, der nicht mehr richtig in seinem Sockel saß.

Schwerwiegendere Probleme

Sollte das Andrücken nichts gebracht haben, ist eine intensivere und professionellere Überprüfung nötig. Diese sollte dann aber von einer versierten Person durchgeführt werden. Es ist davon abzuraten, selbst an dem Gerät herumzubasteln, wenn man weder Kenntnis über die Funktion der jeweiligen IC’s hat oder nicht weiß, mit einem Lötkolben und speziellen Messgeräten umzugehen. Die Platinen sind zum Teil sehr Hitzeempfindlich und können bei „Lötversuchen“ schnell zerstört werden.

 

Wer sich diese Arbeiten nicht zutraut, kann uns gern kontaktieren. Wir übernehmen die Überprüfung und Instandsetzung, gegen eine Unkostenpauschale und kleine Spende, im Sinne eines Freundschaftsdienstes für Sie!

Permanentlink zu diesem Beitrag: http://www.cbm-museum-wuppertal.de/index.php/gesockelte-ics/