Modul/Cardridge Probleme (Konsolen & Rechner)

Vorwort

Kennen Sie das Problem? Sie haben eine Spielekonsole, in die noch sogenannte Module oder auch Cardridge genannt, hinein gesteckt werden? Oder Sie besitzen einen VC20, C64 o.ä. und der Computer erkennt Sie nur noch sporadisch oder gar nicht mehr? Hier erfahren Sie, um was für ein Problem es sich in 95% aller Fälle handelt und wie man dieses Problem beheben kann.module_360

Das Modul und der Schacht

Ein Modul ist erst einmal nichts anderes, als eine verkleidete Platine mit einem einseitigen, oder doppelseitigen Kontaktstreifen, auf denen sich meistens vergoldete Kontakte befinden, ähnlich wie bei einer Ihrer Erweiterungskarten in Ihrem PC. Der Schacht am jeweiligen Gerät hingegen ist im Grunde nichts anderes wie einer Ihrer Steckplätze in Ihrem Computer (PCI,AGP etc.). Beides funktioniert nach dem selben Prinzip.

Kontaktleiste eines Game Boy Moduls

Kontaktleiste eines Game Boy Moduls

Modulschacht eines C64

Modulschacht eines C64

Warum jedoch Ihre Grafikkarte beispielsweise weniger Probleme macht, als ein Spielemodul liegt einfach darin begründet, dass die Grafikkarte, einmal eingesteckt, in ihrer Position verbleibt. Ein Modul hingegen wird immer nur bei Bedarf eingesteckt, die überwiegende Zeit liegen die Kontakte also frei. Darüber hinaus sind Module natürlich auch einer wesentlich stärkeren, physikalischen Belastung ausgesetzt, als Erweiterungskarten in einem PC, denn das ständige reinstecken und rausziehen bedeuten für Modul und Schacht natürlich eine hohe Beanspruchung, daher sind Module auch mit einer wesentlich dickeren Platine ausgestattet, als die einer Grafikkarte.

Eines oder mehrere Module machen Probleme!?

Dann liegt es mit großer Wahrscheinlichkeit daran, dass die Kontakte des Moduls oder die, des Modulschachts im jeweiligen Gerät, schlicht weg verdreckt sind. Mit verdreckt ist nicht zwangsläufig dicker Dreck im engeren Sinn gemeint, sondern viel mehr Ablagerungen, wie sie auch auf Silber und anderen Edelmetallen zu finden sind, wenn sie ohne permanentes Reinigen, längere Zeit den Umwelteinflüssen ausgesetzt sind.

Feuchte Luft, Dreckpartikel, gepaart mit Nikotin oder ähnlichen Einwirkungen, vervollständigen diesen Effekt und lassen die Kontakte regelrecht „erblinden“.

Die Reinigung

Tutorial Schwierigkeitsgrad*: 2-3

  • keine besonderen Kenntnisse erforderlich.

*Auf einer Skala von 1-10 (1=leicht, 10=sehr schwer)

Alle Angaben wurden nach bestem Wissen und Gewissen gemacht – eine Gewähr auf Richtigkeit und Vollständigkeit gibt es dennoch nicht! Nachmachen auf EIGENE GEFAHR! Wir übernehmen keine Haftung für potenzielle Schäden!

Werkzeug- und Materialliste:

  • Je nach Modul und Konsole benötigen Sie Spezialwerkzeug zum öffnen
  • Elektronik Reiniger
  • Wattestäbchen (zum reinigen der Kontakte)
  • Küchenpapier zum abtupfen
  • Fön/Heißluft (zum vorsorglichen trocknen)
  • Druckluft (optional zum besseren entfernen von Staub)

Arbeitszeit pro Modul/Konsole, je nach Geschicklichkeit:

  • Laie ca. 5 – 10 Minuten*
  • Profi ca. 1 – 5 Minuten*

*Diese Zeiten gelten ab öffnen des Moduls oder der Konsole!

 

Die Reinigung der Kontakte gestaltet sich bei den meisten Modulen recht einfach, da diese nicht mal geöffnet werden müssen.

In der Regel braucht man nur Wattestäbchen mit etwas Elektronik Reiniger einzusprühen und reibt dann mit diesen Vorsichtig über die Kontaktleisten des jeweiligen Moduls. Dies wiederholt man so lange, bis das Wattestäbchen keine Rückstände mehr aufweist.

Anschließend empfiehlt es sich ein weiteres Wattestäbchen entweder solo oder mit Küchenpapier umschlossen über die Kontaktflächen zu reiben, bis diese absolut trocken sind.

Sollte versehentlich mit zu viel Reiniger gearbeitet worden sein, föhnt man die entsprechende Stelle einige Zeit, damit keine Rückstände mehr zurückbleiben.

Hin und wieder sollten die Module dann ausprobiert werden.

Bei den Modulschächten gestaltet sich die Reinigung schon etwas schwieriger. In den meisten Fällen, wie bei den Nintendo und Sega Konsolen, sind die Modulschächte versteckt oder so tief gelagert, dass man hier nicht mit einer Zahnbürste oder einem Wattestäbchen heran kommt. Darüber hinaus würden die Plastikkanten des Modulschachts die Watte am Wattestäbchen nur abreißen und hängen bleiben.

Hier können Sie die Schächte nur mit den Reinigern direkt einsprühen und unter mehrmaligem rein und raus ziehen eines Moduls (es empfiehlt sich, hierfür ein nicht mehr benötigtes Modul zu nehmen, dessen Kontakte bereits gereinigt wurden – im Zweifel einfach ein relativ wertloses Spiel doppelt kaufen und  dieses Modul ausschließlich für die Reinigung zweckentfremden) die Kontakte wieder frei reiben. Sollten Sie die Möglichkeit besitzen Ihre Konsole zu öffnen, um näher an den Modulschacht zu kommen, so ist dies zu bevorzugen, da die Reinigung dann direkt am Modulsteckplatz erfolgen kann.

Hier sprüht man den Steckplatz ebenfalls mit dem Reiniger ein und arbeitet den Dreck dann mit einer Zahnbürste vorsichtig heraus. Mit optionaler Druckluft kann man das gelöste Material herausbefördern.

Bei den meisten Modulen und Schächten reicht ein ausgiebiger Durchgang, manchmal erfordert es aber auch mehrere Durchgänge. Dies merken Sie selbst am besten, wie gut die Module nachher erkannt werden.

Auch an dieser Stelle sei noch einmal gesagt, dass Sie nur Reiniger benutzen sollten, die speziell für die Elektronik gedacht sind. Verwenden Sie bitte weder Glasreiniger oder andere Reiniger aus dem Haushaltsbereich. Sie enthalten Wasser, Bleichmittel und andere Substanzen, die anfänglich zwar eine reinigende Wirkung haben mögen, letztlich aber durch die anderen Bestandteile längerfristig richtige Zerstörungen und vor allem auch Kurzschlüsse verursachen können. Auch das viel geliebte Silikon Spray ist hier Fehl am Platz. Dies ist kein Reiniger sondern ein Kriechöl auf Silikon Basis. Dies hat in der Elektronik NICHTS zu suchen!!!

Die speziellen Elektronik Reiniger sind nicht leitend und speziell für diesen Bereich vorgesehen. Sie besitzen keinerlei Bestandteile, die die Elektronik angreifen. Ebenso ist kein vollständiges Entfernen des Reinigers nötig. Gerade das Oszillin Spray hinterlässt eine Art Film, der aber gewollt ist und keinerlei nachteiligen Effekt hat. Es reicht wenn Sie eventuelle Rückstände vom Gehäuse  Wenn Sie kein Hobbybastler, aber leidenschaftlicher Konsolen Sammler sind, gehören die unten abgebildeten Reiniger einfach zur Grundausstattung.

reiniger

Diese Reiniger können Sie bei diversen Elektronik Versandhäusern oder bei einer namhaften Elektronikkette käuflich erwerben. Der Dosenpreis liegt in etwa bei 4 – 8 Euro je nach Größe, Hersteller und Anbieter. Die Ergiebigkeit für einen normalen Sammler ist relativ groß, da nur mit kleinen Stößen und somit im ML Bereich gearbeitet wird.

Anmerkung für C64, VC20, Amiga 600 etc. Besitzer

Die „Stecktechnik“ ist bei den 8 Bit Geräten der Firma Commodore auch im Bereich anderer externer Geräte verbreitet, ebenso auch die Zorro Steckplätze beim Amiga, im speziellen auch die Erweiterungssteckplätze beim Amiga 600 und 1200.

Hier sind nach etwa 20 Jahren zum Teil ähnliche Probleme, wie bei den Modulen und Cardridges zu erwarten und werden auf dem selben Weg behandelt, wie oben beschrieben. Einziger Unterschied: Die meisten dieser Erweiterungen und zusätzlichen Geräteverbindungen sind weitaus einfacher zu reinigen, da zugänglicher, als die Module. Haben Sie also eine Turbokarte für einen Amiga 1200 oder eine Datassette für Ihren C64, die mit einem Steckkontakt verbunden werden, sind diese bei auftretenden Fehlern, ebenso zu reinigen.

Prinzipiell sollte man alles, was mit mechanischen Kontakten zu tun hat, immer wieder mal auf Korrosionen und Verschleiß überprüfen. Meistens sind hier mit einer ordentlichen Reinigung, der Großteil Probleme behoben. Schon ein nicht mehr richtig in seinem Sockel sitzendes IC in einem Amiga kann dazu führen, dass das Gerät nicht mehr funktioniert, deshalb aber nicht gleich Defekt ist.

Auch hier gilt:

 

Wer sich diese Arbeiten nicht zutraut, kann uns gern kontaktieren. Wir übernehmen die Überprüfung und Instandsetzung, gegen eine Unkostenpauschale und kleine Spende, im Sinne eines Freundschaftsdienstes für Sie!

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